Kurzfassung

Eine neue Angriffsmethode nutzt ein Problem, das zunächst harmlos wirkt: Große Sprachmodelle erfinden gelegentlich Webadressen, die gar nicht existieren. Angreifer sichern sich solche erfundenen Domains frühzeitig und richten dort täuschend echte Seiten ein. Ziel ist es, Nutzerverkehr abzufangen, der über KI-gestützte Recherche- oder Navigationshilfen auf diese Adressen gelenkt wird. Nach Angaben von Palo Alto Networks Unit 42 ist dieses Vorgehen bereits in der Praxis zu beobachten.

Für Unternehmen im DACH-Raum ist das relevant, weil KI-gestützte Tools zunehmend in Suchprozesse, Support, Vertrieb und interne Recherche eingebunden werden. Dadurch steigt das Risiko, dass Mitarbeitende auf manipulierte Ziele stoßen. Für Privatpersonen ist das Risiko vor allem dann gegeben, wenn sie KI-Assistenten zur Websuche, zum Einkauf oder zur technischen Orientierung verwenden.

Was ist passiert?

Die beobachtete Methode wird als Phantom Squatting beschrieben. Dabei registrieren Angreifer Domains, die von KI-Systemen plausibel, aber fälschlich erzeugt wurden. Anschließend nutzen sie diese Adressen für Phishing-Seiten oder zum Ausliefern von Malware. Der Angriff setzt also nicht auf klassische Tippfehler im Browser, sondern auf die Fehleranfälligkeit generativer KI bei der Erzeugung von Webadressen.

Besonders brisant ist, dass die Domains nicht zufällig gewählt werden müssen. Wenn ein KI-System eine nicht existierende, aber glaubwürdig klingende Adresse ausgibt, können Angreifer genau diese Lücke ausnutzen. Damit entsteht ein neuer Missbrauchsweg zwischen KI-Nutzung und Webbetrug.

Technische Details

Große Sprachmodelle arbeiten probabilistisch und können bei unvollständigen oder unscharfen Eingaben plausible, aber falsche Domains erzeugen. Das ist kein klassischer Sicherheitsfehler im Sinne eines Exploits, sondern eine Folge der Generierungslogik. Für Angreifer wird daraus ein Vorteil, wenn sie solche erfundenen Domains systematisch überwachen und registrieren.

Die anschließende Infrastruktur ist aus Sicht der Angreifer vergleichsweise simpel: eine registrierte Domain, eine täuschend echte Landingpage, gegebenenfalls ein Formular zur Datenerfassung oder ein Download-Angebot für Schadsoftware. Der eigentliche Trick liegt darin, dass der Traffic nicht über offensichtliche Spam-Kampagnen kommt, sondern über eine Quelle, die Nutzer als vertrauenswürdig wahrnehmen könnten: eine KI-Ausgabe.

Aus technischer Sicht ist das Risiko besonders hoch, wenn KI-Tools direkt zur Link-Generierung, Produktsuche oder zur Beantwortung von Fragen mit konkreten Webverweisen eingesetzt werden. Je stärker sich Anwender auf die Antwort verlassen, desto größer ist die Chance, dass eine manipulierte oder erfundene Domain angeklickt wird.

Wer ist betroffen?

Primär betroffen sind Unternehmen, die KI-gestützte Assistenten in ihre Arbeitsabläufe integriert haben oder deren Mitarbeitende regelmäßig externe KI-Dienste für Recherche und Orientierung nutzen. Das betrifft insbesondere Organisationen mit vielen webbasierten Prozessen, etwa im Support, Einkauf, Marketing, Vertrieb und in der IT.

Im DACH-Raum ist das Risiko praktisch relevant, weil viele Unternehmen KI-Werkzeuge bereits produktiv einsetzen, ohne dafür durchgängig verbindliche Prüfprozesse für generierte Links etabliert zu haben. Auch kleine und mittlere Unternehmen sind betroffen, da sie oft schneller neue Tools einführen, aber seltener über ausgereifte Kontrollmechanismen verfügen.

Privatpersonen sind weniger häufig Ziel solcher Kampagnen, können aber ebenfalls betroffen sein, wenn sie KI-Systeme als Suchersatz verwenden. Das gilt vor allem bei Download-Links, Support-Seiten, angeblichen Login-Portalen oder bei vermeintlichen Angeboten rund um Software, Streaming und Online-Dienste.

Empfohlene Maßnahmen

Unternehmen sollten KI-generierte Links grundsätzlich nicht ungeprüft übernehmen. Jede Domain sollte vor dem Aufruf anhand unabhängiger Quellen verifiziert werden, etwa über die offizielle Herstellerseite, bekannte Lesezeichen oder interne Freigabeprozesse. Besonders wichtig ist das bei Login-Seiten, Software-Downloads und Zahlungsseiten.

Darüber hinaus empfiehlt sich eine klare Richtlinie für den Einsatz von KI im Arbeitsalltag. Mitarbeitende sollten wissen, dass KI-Ausgaben nicht automatisch vertrauenswürdig sind. Schulungen zur Erkennung von Phishing, Domain-Manipulation und Social Engineering bleiben daher zentral.

Technisch können Unternehmen zusätzliche Schutzmaßnahmen einführen, etwa DNS-Filter, Web-Gateways, sichere Browser-Konfigurationen und E-Mail-Sicherheitslösungen. Auch Monitoring auf neu registrierte oder auffällige Domains kann helfen, verdächtige Ziele frühzeitig zu erkennen. Für besonders kritische Prozesse sollten Links aus KI-Antworten niemals direkt verwendet werden, sondern nur über geprüfte interne Portale.

Privatpersonen sollten sich angewöhnen, Domains manuell zu prüfen, statt KI-Vorschläge direkt anzuklicken. Bei Unsicherheit ist der direkte Weg über die offizielle Startseite des Anbieters die sicherere Wahl. Downloads sollten nur von bekannten Quellen stammen.

Einschätzung von CyberSecurity-News.de

Phantom Squatting ist kein Massenangriff im klassischen Sinn, aber ein sehr plausibler und praxisnaher Missbrauch von KI-Fehlern. Die Bedrohung ist deshalb relevant, weil sie an einer Schnittstelle entsteht, die in Unternehmen immer häufiger wird: der automatisierten Generierung von Informationen, inklusive Webadressen. Genau dort sinkt oft die Aufmerksamkeit für manuelle Prüfung.

Für Unternehmen im DACH-Raum bewerten wir das Risiko als mittel bis hoch, sobald KI-Tools produktiv und ohne klare Freigaberegeln eingesetzt werden. Der potenzielle Schaden reicht von Credential-Diebstahl über Malware-Infektionen bis zu Folgeschäden durch kompromittierte Konten oder Datenabfluss. Für Privatpersonen ist das Risiko moderat, steigt aber mit der Nutzung von KI als Such- und Navigationshilfe.

Praxisrelevant ist vor allem die Erkenntnis, dass KI nicht nur Inhalte falsch darstellen kann, sondern auch Zieladressen. Sicherheitsstrategien müssen deshalb nicht nur gegen Phishing in E-Mails, sondern auch gegen irreführende KI-Ausgaben abgesichert werden.

Fazit

Phantom Squatting zeigt, wie schnell sich Angreifer neue technologische Schwachstellen zunutze machen. Wenn KI-Systeme Domains erfinden, entsteht ein neuer Angriffspfad für Phishing und Malware. Unternehmen sollten das Thema jetzt in Richtlinien, Schulungen und technische Schutzmaßnahmen aufnehmen, bevor aus Einzelfällen ein verbreitetes Muster wird.

Wer KI zur Webrecherche nutzt, sollte Ergebnisse nicht blind vertrauen. Gerade bei Domains gilt: prüfen statt klicken. Das ist derzeit die wirksamste Gegenmaßnahme gegen diese Form des Missbrauchs.

Quellenangabe

Weiterführende Quelle: The Hacker News: Phantom Squatting Uses AI-Hallucinated Domains for Phishing and Malware