Kurzfassung

Flowring Agentflow 4.0 weist drei kritische Schwachstellen auf: die SQL-Injections CVE-2026-96428 und CVE-2026-96429 sowie den unsicheren Dateiupload CVE-2026-96431. Für die beiden SQL-Injections nennt NVD jeweils CVSS 9.3, kritisch; die Angriffe sind über das Netzwerk mit geringer Komplexität, ohne Anmeldung und ohne Nutzerinteraktion möglich. Unternehmen mit öffentlich oder intern erreichbaren Agentflow-Instanzen sollten den Zugriff sofort einschränken, den Patch-Stand prüfen und Systeme auf verdächtige Datenbankabfragen sowie unzulässige Uploads kontrollieren.

Was ist passiert?

Betroffen ist Flowring Agentflow 4.0. Für die Produktreihe sind gleich mehrere gravierende Fehler bekannt geworden, die unterschiedliche Angriffswege eröffnen.

CVE-2026-96428 betrifft den Endpunkt /WebAgenda/SMBAjaxAutoComplete.do. Über den Parameter words soll sich SQL-Code einschleusen lassen. CVE-2026-96429 betrifft den Endpunkt /WebAgenda/SMBAjaxConfigProcess.do; hier liegt die Schwachstelle laut NVD im Parameter id. Beide Lücken erlauben es Angreifern aus der Ferne, beliebige SQL-Befehle auszuführen.

Hinzu kommt CVE-2026-96431 im Endpunkt /WebAgenda/download/uploadFile.jsp. Dabei geht es nicht um die Datenbank, sondern um einen unzureichend eingeschränkten Dateiupload. Authentifizierte Angreifer können darüber eine gefährliche Datei hochladen und anschließend beliebige Systembefehle ausführen.

Für Unternehmen ist das eine heikle Kombination: Zwei Schwachstellen setzen keine Anmeldung voraus, die dritte kann bei bereits kompromittierten oder schwach geschützten Konten direkt zur Systemausführung führen.

Technische Details

Die beiden SQL-Injections CVE-2026-96428 und CVE-2026-96429 sind jeweils mit CVSS 9.3, kritisch bewertet. Der Vektor CVSS:4.0/AV:N/AC:L/AT:N/PR:N/UI:N/VC:H/VI:H/VA:H bedeutet vereinfacht: Ein Angriff ist über das Netzwerk möglich, er ist leicht durchführbar, erfordert keine Berechtigungen und keine Nutzerinteraktion und kann Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit stark beeinträchtigen. Der CVSS-Wert beschreibt die technische Schwere, nicht automatisch eine bestätigte Ausnutzung in realen Angriffen.

Bei CVE-2026-96428 liegt der Fehler im Parameter words des Endpunkts /WebAgenda/SMBAjaxAutoComplete.do. Bei CVE-2026-96429 betrifft die Schwachstelle den Parameter id im Endpunkt /WebAgenda/SMBAjaxConfigProcess.do. In beiden Fällen kann eingeschleuster SQL-Code je nach Datenbankrechten Daten lesen, verändern oder löschen. Denkbar sind auch weitergehende Folgen, wenn die Anwendung mit weitreichenden Datenbankberechtigungen betrieben wird.

CVE-2026-96431 wird ebenfalls als kritisch geführt, unterscheidet sich aber im Angriffsmodell. Der Dateiupload in /WebAgenda/download/uploadFile.jsp akzeptiert gefährliche Dateitypen unzureichend eingeschränkt. NVD beschreibt, dass ein authentifizierter Angreifer dadurch eine präparierte Datei hochladen und anschließend beliebige Systembefehle ausführen kann. Für diese Lücke sind also Berechtigungen erforderlich, anders als bei den beiden SQL-Injections.

Zu den betroffenen Fassungen nennt NVD konkrete Grenzen: CVE-2026-96428 und CVE-2026-96429 betreffen Agentflow 4.0 in Versionen vor dem 08.08.2025. CVE-2026-96431 betrifft Agentflow 4.0 in Versionen vor dem 24.03.2023.

Wer ist betroffen?

Direkt betroffen sind Organisationen, die Flowring Agentflow 4.0 einsetzen. Besonders kritisch ist die Lage, wenn die Weboberfläche oder die genannten Endpunkte aus dem Internet erreichbar sind. Dann können CVE-2026-96428 und CVE-2026-96429 ohne Anmeldung angegriffen werden.

Auch rein interne Installationen sind nicht automatisch sicher. In vielen realen Vorfällen beginnen Angriffe nach Phishing, mit kompromittierten VPN-Zugängen oder über bereits vorhandene Zugriffe im Netz. Eine intern erreichbare, ungepatchte Agentflow-Instanz bleibt deshalb ein relevantes Ziel.

Für CVE-2026-96431 ist eine Anmeldung erforderlich. Die Lücke ist damit vor allem für Umgebungen mit vielen Konten, schwacher Rechtevergabe oder gemeinsam genutzten Zugangsdaten problematisch. Wer Agentflow nur in einer kleinen, stark segmentierten Umgebung ohne externe Erreichbarkeit betreibt, hat ein geringeres, aber keineswegs vernachlässigbares Risiko.

Empfohlene Maßnahmen

Erstens: Prüfen Sie sofort, ob in Ihrem Bestand Flowring Agentflow 4.0 läuft und welche Build- oder Versionsstände installiert sind. Priorität haben alle Systeme, die aus dem Internet, aus Partnernetzen oder aus wenig vertrauenswürdigen internen Segmenten erreichbar sind.

Zweitens: Beschränken Sie den Zugriff auf die betroffenen Web-Endpunkte so weit wie möglich. Wenn ein kurzfristiges Update nicht sofort möglich ist, sollten Sie die Anwendung vorübergehend nur über VPN, Jump-Hosts oder freigegebene Administrationsnetze erreichbar machen. Eine vorgeschaltete Web Application Firewall kann SQL-Injection-Muster und riskante Uploads zusätzlich erschweren, ersetzt aber keinen Patch.

Drittens: Spielen Sie verfügbare Sicherheitsupdates beziehungsweise korrigierte Versionen ein. Maßgeblich sind bei CVE-2026-96428 und CVE-2026-96429 alle Versionen vor dem 08.08.2025, bei CVE-2026-96431 alle Versionen vor dem 24.03.2023. Ob darüber hinaus weitere Abhilfen oder Workarounds existieren, hat Flowring in den hier vorliegenden NVD-Einträgen nicht erläutert.

Viertens: Suchen Sie aktiv nach Kompromittierungsanzeichen. Prüfen Sie Webserver- und Anwendungsprotokolle auf Zugriffe gegen /WebAgenda/SMBAjaxAutoComplete.do, /WebAgenda/SMBAjaxConfigProcess.do und /WebAgenda/download/uploadFile.jsp. Achten Sie auf ungewöhnliche Parameterwerte, Fehlermeldungen aus der Datenbank, hochgeladene Skripte oder Binärdateien sowie auf Prozesse, die vom Webserver-Kontext aus gestartet wurden.

Fünftens: Kontrollieren Sie die Rechte der von Agentflow verwendeten Datenbankkonten. Viele SQL-Injection-Folgen lassen sich begrenzen, wenn das Anwendungskonto nur die tatsächlich nötigen Rechte besitzt. Für den Upload-Pfad sollten Sie außerdem serverseitige Dateityp-Prüfungen, Speicherorte außerhalb des Webroots und eine strikte Ausführungsverhinderung für Upload-Verzeichnisse umsetzen.

Einschätzung von CyberSecurity-News.de

Die technische Schwere ist hoch, und zwar nicht nur auf dem Papier. Zwei der drei Lücken lassen sich ohne Anmeldung über das Netzwerk ausnutzen. Das macht die Kombination für exponierte Systeme deutlich relevanter als viele andere Webanwendungsfehler, die zumindest Authentifizierung oder Nutzerinteraktion voraussetzen.

Die Informationslage bleibt trotzdem unvollständig. NVD liefert die Kernpunkte zu betroffenen Endpunkten, Parametern und Versionsgrenzen, aber keine weitergehenden Hinweise des Herstellers zu Patches, Workarounds oder bekannten Angriffen in freier Wildbahn. Für Administratoren ist das unbefriedigend, weil genau diese Details für eine schnelle Risikobewertung im Betrieb wichtig wären.

Für den DACH-Raum ist das Thema vor allem für Unternehmen mit Agentflow-Einsatz relevant, nicht für die breite Masse der Leser. Wer das Produkt nicht nutzt, muss hier nichts tun. Wer es nutzt, sollte die Sache aber nicht aufschieben: ungepatchte, erreichbare Webanwendungen mit SQL-Injection gehören weiterhin zu den zuverlässig ausnutzbaren Einstiegspunkten in Unternehmensnetze.

Fazit

Wenn Sie Flowring Agentflow 4.0 betreiben, behandeln Sie CVE-2026-96428, CVE-2026-96429 und CVE-2026-96431 als dringendes Patch- und Härtungsthema. Priorisieren Sie zuerst Internet-Erreichbarkeit und Log-Prüfung, danach Update, Rechtebereinigung und Absicherung der Upload-Funktion. Ohne Produktbezug besteht für die meisten Leser kein unmittelbarer Handlungsbedarf.

Quellenangabe