Kurzfassung
Digiwin EasyFlow .NET ist von zwei kritischen Schwachstellen betroffen: CVE-2026-102455 und CVE-2026-102458. Beide Einträge sind mit CVSS 9.3, kritisch bewertet und laut NVD ohne Anmeldung, über das Netzwerk und ohne Benutzeraktion angreifbar. Für Unternehmen ist das vor allem dann dringlich, wenn EasyFlow .NET direkt oder indirekt aus untrusted Netzen erreichbar ist.
Was ist passiert?
Für die Workflow-Software EasyFlow .NET von Digiwin sind zwei zusammenhängende Sicherheitsprobleme dokumentiert worden. CVE-2026-102455 beschreibt eine unsichere Deserialisierung, über die ein entfernter Angreifer auf dem Server beliebigen Code ausführen kann. CVE-2026-102458 beschreibt eine fehlende Authentifizierung in einer bestimmten Programmierschnittstelle, über die sich Klartext-Passwörter anderer Nutzer abrufen lassen.
Beide Schwachstellen sind besonders heikel, weil sie laut NVD keine vorherige Authentifizierung erfordern. Damit reicht unter ungünstigen Umständen die Erreichbarkeit des betroffenen Dienstes aus, um einen Angriff zu starten. Ob die Lücken bereits aktiv ausgenutzt werden, ist in den NVD-Einträgen nicht angegeben.
Technische Details
CVE-2026-102455 betrifft eine unsichere Deserialisierung in EasyFlow .NET. Solche Fehler entstehen, wenn eine Anwendung serialisierte Daten aus nicht vertrauenswürdigen Quellen verarbeitet, ohne sie ausreichend zu prüfen. Im schlimmsten Fall kann das zur Ausführung eingeschleusten Codes auf dem Server führen.
CVE-2026-102458 betrifft eine fehlende Authentifizierung an einer bestimmten API. Laut Beschreibung können nicht angemeldete Angreifer darüber die Klartext-Passwörter anderer Benutzer abrufen. Das ist nicht nur für die betroffene Anwendung gefährlich, sondern auch für alle Umgebungen, in denen Nutzer Passwörter wiederverwenden.
Beide Schwachstellen sind mit CVSS 9.3 nach CVSS 4.0 bewertet. Der Vektor zeigt: Der Angriff ist über das Netzwerk möglich, die Angriffskomplexität ist gering, es sind keine Berechtigungen und keine Nutzerinteraktion nötig. Dieser Wert beschreibt die technische Schwere der Lücke, nicht automatisch eine bereits beobachtete Ausnutzung in realen Angriffen.
Wer ist betroffen?
Betroffen ist EasyFlow .NET von Digiwin. Welche konkreten Versionen verwundbar sind, nennt NVD in den verlinkten Einträgen nicht. Ebenfalls offen bleibt, ob nur bestimmte Bereitstellungsformen, Module oder API-Endpunkte betroffen sind.
Relevant ist das vor allem für Unternehmen, die EasyFlow .NET selbst betreiben oder über Dienstleister hosten lassen. Besonders kritisch sind Installationen, die aus dem Internet erreichbar sind, in Extranets eingebunden wurden oder intern von vielen Segmenten aus angesprochen werden können. Für klassische Privatnutzer spielt die Meldung in der Praxis kaum eine Rolle.
Empfohlene Maßnahmen
Prüfen Sie zuerst, ob EasyFlow .NET in Ihrer Umgebung vorhanden ist, welche Instanzen erreichbar sind und ob vorgeschaltete Reverse Proxys, Web Application Firewalls oder API-Gateways im Einsatz sind. Ohne diese Bestandsaufnahme lässt sich die Dringlichkeit kaum sauber priorisieren.
- Exponierte Instanzen sofort identifizieren und, wenn möglich, vorübergehend vom Internet trennen.
- Zugriffe auf die Anwendung und insbesondere auf API-Endpunkte strikt auf notwendige Quellnetze begrenzen.
- Logs von Webserver, Anwendung und vorgeschalteten Sicherheitskomponenten auf ungewöhnliche Requests, Fehlermuster und verdächtige Serialisierungsdaten prüfen.
- Alle Passwörter zurücksetzen, wenn ein Verdacht auf Ausnutzung von CVE-2026-102458 besteht oder wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass Klartext-Passwörter abgeflossen sind.
- Administrations- und Service-Konten priorisiert ändern und auf mögliche Weiterverwendung in anderen Systemen prüfen.
- Segmentierung verschärfen, damit eine mögliche Kompromittierung des EasyFlow-Servers nicht unmittelbar auf weitere interne Systeme durchschlägt.
- Verfügbarkeit von Sicherheitsupdates oder Herstellerhinweisen aktiv beim Hersteller oder betreuenden Integrator klären. Ob ein Patch bereitsteht, ist in den vorliegenden NVD-Einträgen nicht mitgeteilt.
Wenn Sie EasyFlow .NET nicht direkt administrieren, sondern über einen Partner beziehen, sollten Sie die Prüfung schriftlich anfordern und sich den Patch-Stand sowie die externe Erreichbarkeit bestätigen lassen.
Einschätzung von CyberSecurity-News.de
Die technische Tragweite ist hoch: unauthentisierte Codeausführung plus möglicher Abruf von Klartext-Passwörtern ist eine Kombination, die Incident-Response-Teams sehr ernst nehmen sollten. Gerade die Passwort-Thematik wiegt schwer, weil sie Folgerisiken außerhalb der eigentlichen Anwendung erzeugen kann.
Die Informationslage bleibt aber lückenhaft. NVD liefert die Kernrisiken, nennt jedoch keine betroffenen Versionsstände, keine Mitigations des Herstellers und keine Hinweise auf bereits beobachtete Angriffe. Für Administratoren im DACH-Raum heißt das: nicht abwarten, sondern die Angriffsfläche jetzt prüfen und die Erreichbarkeit sofort begrenzen, bis Klarheit über Patch-Stand und Exposition besteht.
Fazit
Wenn EasyFlow .NET in Ihrem Unternehmen läuft, sollten Sie die beiden CVEs wie einen akuten Infrastrukturfall behandeln. Priorität haben Erreichbarkeitsprüfung, Zugriffsbeschränkung, Log-Analyse und ein möglicher Passwort-Reset. Ohne belastbare Herstellerdetails ist Vorsicht derzeit die vernünftigste Betriebsentscheidung.






