Kurzfassung

Arista EOS weist mit CVE-2026-73453 eine kritische Schwachstelle auf, über die ein nicht authentifizierter Angreifer unter bestimmten Bedingungen eigenen Code ausführen kann. Der CVSS-Basiswert liegt bei 9.5 und ist damit kritisch; betroffen sind Systeme, auf denen P4Runtime aktiv konfiguriert ist. Gelingt der Angriff, kann ein Switch vollständig administrativ übernommen werden. Zusätzlich sind mit CVE-2026-73447 und CVE-2026-73461 zwei weitere kritische Arista-EOS-Lücken bekannt geworden: CVE-2026-73447 erlaubt einem bereits privilegierten beziehungsweise authentifizierten Angreifer über gNSI Certz und den ebenfalls betroffenen Bootz-Dienst Root-Rechte und beliebige OS-Kommandos, während CVE-2026-73461 auf betroffenen Plattformen bei aktivierter AAA-basierter gRPC-Autorisierung für OpenConfig dazu führen kann, dass für authentifizierte gRPC-Anfragen ein falsches Privilegienniveau und damit die falsche AAA-Method-List verwendet wird.

Was ist passiert?

Die Schwachstelle betrifft Arista EOS in Verbindung mit P4Runtime, einer Schnittstelle zur Laufzeitsteuerung programmierbarer Paketverarbeitung. Laut Beschreibung kann ein Angreifer beim Aufbau einer P4Runtime-Sitzung ein präpariertes Paket senden und so auf betroffenen Plattformen beliebigen Code ausführen.

Arista hat das Problem nach eigenen Angaben intern entdeckt. Hinweise auf eine böswillige Ausnutzung in Kundennetzen liegen bislang nicht vor. Wichtig für die Einordnung: P4Runtime ist in Arista EOS standardmäßig deaktiviert. Das reduziert die Breitenwirkung deutlich, macht die Lücke in entsprechend spezialisierten Umgebungen aber nicht weniger gravierend.

Neu hinzugekommen ist außerdem CVE-2026-73447. Diese Schwachstelle betrifft Arista EOS-basierte Produkte im Zusammenhang mit dem gRPC Network Security Interface, konkret dem gNSI-Certz-Dienst; laut NVD ist auch der Bootz-Dienst betroffen. Ein authentifizierter Angreifer mit bereits erhöhten Rechten kann demnach eine präparierte Certz-Rotate-Anfrage senden, um seine Rechte bis auf Root-Ebene auszuweiten und beliebige Betriebssystemkommandos auszuführen.

Ebenfalls neu ist CVE-2026-73461. Laut NVD betrifft die Schwachstelle betroffene EOS-Plattformen, auf denen AAA-basierte gRPC-Autorisierung für OpenConfig aktiviert ist. In diesem Fall können gRPC-Anfragen eines authentifizierten Benutzers an OpenConfig mit einem falschen Privilegienniveau verarbeitet werden, sodass für die Autorisierungsentscheidung die falsche AAA-Method-List herangezogen wird. Nicht betroffen sind nach der vorliegenden Beschreibung nicht-gRPC-basierte OpenConfig-Zugriffe wie etwa NETCONF.

Technische Details

CVE-2026-73453 ist mit CVSS 9.5 nach CVSS 4.0 bewertet. Der Vektor beschreibt einen Angriff über das Netzwerk bei geringer Komplexität, ohne Authentifizierung und ohne Nutzerinteraktion; ein Angreifer muss also lediglich einen erreichbaren P4Runtime-Dienst unter den verwundbaren Bedingungen ansprechen, um die Schwachstelle auszunutzen. Der Wert beschreibt die technische Schwere der Lücke, nicht automatisch die tatsächliche Ausnutzung in realen Netzen.

Die Folgen sind erheblich: Bei erfolgreicher Ausnutzung erhält der Angreifer vollständige administrative Kontrolle über den kompromittierten Switch. Damit geht das Risiko weit über einen einfachen Dienstabsturz hinaus. In Segmenten mit zentralen Netzwerkfunktionen kann eine Übernahme Manipulationen am Datenverkehr, Seitwärtsbewegungen im Netz und den Ausfall kritischer Verbindungen ermöglichen.

Mit CVE-2026-73447 kommt ein zweiter, ebenfalls kritischer Pfad zur vollständigen Gerätekompromittierung hinzu. Die Schwachstelle ist mit CVSS 9.4 nach CVSS 4.0 bewertet und setzt zwar bestehende Berechtigungen voraus, erlaubt dafür aber die Ausführung beliebiger Kommandos mit Root-Rechten. Technisch beschrieben ist ein Missbrauch des gNSI-Certz-Service über eine präparierte Certz-Rotate-Anfrage; zusätzlich wird der Bootz-Service als betroffen genannt. Anders als bei CVE-2026-73453 ist hier keine anonyme Erstkompromittierung beschrieben, sondern eine Privilegienausweitung beziehungsweise ein Root-Eskalationspfad für bereits authentifizierte oder privilegierte Akteure.

Mit CVE-2026-73461 ist nun eine weitere kritische Arista-EOS-Schwachstelle mit CVSS 9.4 nach CVSS 4.0 hinzugekommen. Der Vektor beschreibt ebenfalls einen Netzwerkangriff mit geringer Komplexität, ohne Nutzerinteraktion, jedoch mit erforderlichen Rechten. Technisch geht es nicht um Remote-Code-Ausführung, sondern um fehlerhafte Autorisierungsentscheidungen bei gRPC-basierten OpenConfig-Anfragen: Ist AAA-basierte gRPC-Autorisierung aktiviert, kann laut NVD das falsche Privilegienniveau eines authentifizierten Benutzers zugrunde gelegt werden, wodurch die falsche AAA-Method-List zur Anwendung kommt. Das kann im Ergebnis zu einer unzutreffenden Durchsetzung von Berechtigungen führen. Ausdrücklich nicht betroffen sind nach der vorliegenden Beschreibung nicht-gRPC-basierte OpenConfig-Zugriffe wie NETCONF.

Unklar bleibt derzeit, welche EOS-Versionen und welche konkreten Hardware-Plattformen betroffen sind. NVD nennt dazu keine weitergehenden Produktabgrenzungen. Ebenso ist in den vorliegenden Informationen nicht benannt, ob bereits ein Sicherheitsupdate oder andere Abhilfen bereitstehen.

Wer ist betroffen?

Betroffen sind Unternehmen und Betreiber, die Arista-Switches mit EOS einsetzen und P4Runtime ausdrücklich aktiviert haben. Für die meisten klassischen Campus- und Rechenzentrumsumgebungen dürfte die unmittelbare Relevanz begrenzt sein, wenn P4Runtime nirgends genutzt wird.

Kritisch ist die Lage dagegen in Netzen, in denen P4Runtime für Automatisierung, Testumgebungen, Forschungsnetze oder spezialisierte paketverarbeitende Szenarien aktiv verwendet wird. Besonders aufmerksam sollten Teams sein, wenn Management- oder Steuerungsschnittstellen aus anderen Netzsegmenten erreichbar sind oder wenn Labor- und Produktivumgebungen nicht sauber getrennt wurden.

Durch CVE-2026-73447 erweitert sich der betroffene Kreis inhaltlich auf Umgebungen, in denen Arista-EOS-basierte Systeme gNSI Certz nutzen oder der genannte Bootz-Dienst eine Rolle spielt. Relevant ist diese Lücke vor allem dort, wo bereits privilegierte Konten vorhanden sind, administrative Schnittstellen breit erreichbar bleiben oder wo ein Angreifer nach einer ersten Kompromittierung nach Root-Rechten auf dem Switch streben kann.

Mit CVE-2026-73461 geraten zusätzlich Umgebungen in den Fokus, die OpenConfig über gRPC einsetzen und dafür AAA-basierte gRPC-Autorisierung aktiviert haben. Da laut Beschreibung ausschließlich gRPC-basierte OpenConfig-Anfragen betroffen sind, ist die Einordnung stark von der tatsächlich genutzten Management-Schnittstelle abhängig: Wer OpenConfig nur über andere Protokolle wie NETCONF nutzt, fällt nach heutigem Kenntnisstand nicht in denselben Risikobereich. Relevant ist die Lücke insbesondere für Betreiber mit fein abgestuften AAA-Regelwerken, weil dort eine falsche Zuordnung von Privilegien und Method-Lists besonders sicherheitskritisch sein kann.

Für Privatnutzer spielt die Schwachstelle praktisch keine Rolle. Sie betrifft Netzwerkhardware im professionellen Einsatz.

Empfohlene Maßnahmen

Prüfen Sie zuerst, ob P4Runtime in Ihrer Arista-Umgebung überhaupt aktiviert ist. Diese Bestandsaufnahme hat Vorrang, denn ohne aktiviertes P4Runtime ist die beschriebene Angriffsfläche nach den verfügbaren Informationen nicht gegeben.

Ist P4Runtime nicht erforderlich, sollten Sie die Funktion deaktivieren. Wo das fachlich nicht möglich ist, begrenzen Sie den Zugriff strikt auf dedizierte Administrations- und Steuerungsnetze. Erreichbarkeit aus allgemeinen Server-, Nutzer- oder gar externen Netzen sollte ausgeschlossen werden.

Im Lichte von CVE-2026-73447 sollten Administratoren zusätzlich prüfen, ob gNSI Certz oder der genannte Bootz-Dienst in ihrer Umgebung genutzt oder erreichbar sind. Da diese Lücke bestehende Berechtigungen voraussetzt, gewinnen Maßnahmen zur Begrenzung privilegierter Zugriffe zusätzlich an Bedeutung: Administrationskonten sollten auf das notwendige Minimum reduziert, deren Nutzung eng überwacht und Zugriffe auf entsprechende Management-Dienste strikt segmentiert werden.

Mit Blick auf CVE-2026-73461 sollten Teams außerdem klären, ob OpenConfig über gRPC genutzt wird und ob dafür AAA-basierte gRPC-Autorisierung aktiviert ist. Wo dies der Fall ist, sollte geprüft werden, welche AAA-Method-Lists hinterlegt sind, wie Privilegienstufen für authentifizierte Benutzer zugeordnet werden und ob sich gRPC-Zugriffe vorübergehend auf besonders vertrauenswürdige Administrationspfade beschränken lassen. Da nicht-gRPC-basierte OpenConfig-Zugriffe wie NETCONF laut NVD nicht betroffen sind, kann diese Protokollabgrenzung für die Priorisierung hilfreich sein.

Priorisieren Sie anschließend diese Schritte:

  • Inventarisieren Sie alle Arista-EOS-Systeme mit aktivem P4Runtime.
  • Prüfen Sie, von welchen Quellnetzen P4Runtime erreichbar ist.
  • Blockieren Sie unnötige Zugriffe per ACLs, Management-VRF oder Segmentierung.
  • Überwachen Sie Sitzungsaufbau und Konfigurationsänderungen auf den betroffenen Switches besonders eng.
  • Bewerten Sie, ob exponierte Systeme vorsorglich aus weniger vertrauenswürdigen Netzen isoliert werden müssen.
  • Ermitteln Sie zusätzlich, ob gNSI Certz oder Bootz aktiv genutzt werden und wer darauf zugreifen darf.
  • Reduzieren und überprüfen Sie privilegierte Konten sowie deren Reichweite auf Arista-EOS-Systemen.
  • Prüfen Sie, ob OpenConfig über gRPC eingesetzt wird und ob AAA-basierte gRPC-Autorisierung aktiviert ist.
  • Vergleichen Sie die für gRPC-OpenConfig verwendeten AAA-Method-Lists mit den vorgesehenen Privilegienstufen und dokumentieren Sie Abweichungen.
  • Beschränken Sie gRPC-basierte Management-Zugriffe wenn möglich auf dedizierte, vertrauenswürdige Administrationsnetze.

Da keine Hersteller-URL mit offiziellen Abhilfen oder Patch-Details vorliegt, sollten Administratoren ihre regulären Support- und Wartungskanäle bei Arista prüfen. Ob bereits ein Patch bereitsteht, ist hier nicht mitgeteilt.

Einschätzung von CyberSecurity-News.de

Technisch ist die Lücke schwerwiegend, weil sie ohne Authentifizierung zur vollständigen Übernahme eines Switches führen kann. Gleichzeitig ist die Reichweite voraussichtlich kleiner als es der CVSS-Wert zunächst vermuten lässt, weil P4Runtime standardmäßig deaktiviert ist. Für viele Leser im DACH-Raum ist das daher kein flächendeckender Notfall, für Betreiber mit aktivem P4Runtime aber sehr wohl ein Vorgang mit hoher Priorität.

Mit CVE-2026-73447 verschiebt sich die Bewertung jedoch leicht: Auch wenn diese zweite Schwachstelle keine anonyme Ausnutzung beschreibt, ist ihr Schadenspotenzial ebenfalls maximal, weil sie Root-Kommandoausführung auf dem Gerät ermöglicht. In realen Angriffsketten sind genau solche Privilegienausweitungen relevant, wenn Angreifer bereits Zugang zu Administrationsfunktionen oder angrenzenden Management-Systemen erlangt haben. Damit wird Arista EOS nicht nur an der Netzgrenze, sondern auch im Rahmen interner Vertrauenskaskaden interessant.

CVE-2026-73461 unterstreicht diese Tendenz nochmals aus einer anderen Richtung. Die neue Schwachstelle beschreibt keine unmittelbare Remote-Code-Ausführung, wohl aber einen kritischen Fehler in der Durchsetzung von Berechtigungen für gRPC-basierte OpenConfig-Verwaltung. Gerade in stark automatisierten Netzwerkumgebungen, in denen gRPC, OpenConfig und AAA-Policies eng verzahnt sind, kann eine fehlerhafte Privilegienzuordnung sicherheitspraktisch sehr relevant werden. Dass NETCONF laut NVD nicht betroffen ist, hilft bei der Eingrenzung, ändert aber nichts daran, dass Management-Protokolle und Autorisierungslogik auf Arista-EOS-Systemen derzeit besonders sorgfältig geprüft werden sollten.

Die Informationslage ist derzeit lückenhaft. Es fehlen klare Angaben zu betroffenen Versionen, Plattformen und verfügbaren Korrekturen. Das erschwert eine saubere Risikobewertung im Betrieb. Positiv ist, dass bislang keine Angriffe in Kundennetzen bekannt sind; darauf sollte sich jedoch niemand verlassen, solange erreichbare P4Runtime-Instanzen nicht identifiziert und abgesichert wurden.

Fazit

Wenn Sie Arista EOS einsetzen, sollten Sie umgehend klären, ob P4Runtime irgendwo aktiv ist. Wo das der Fall ist, hat die Absicherung oder Abschaltung der Funktion Vorrang vor allem anderen. Bis belastbare Herstellerdetails zu Versionen und Updates vorliegen, ist Netzwerkisolation die wirksamste Sofortmaßnahme.

Zusätzlich sollten Sie prüfen, ob gNSI Certz oder der genannte Bootz-Dienst in Ihrer Umgebung eingesetzt werden und welche privilegierten Konten darauf zugreifen können. CVE-2026-73447 macht deutlich, dass auch intern erreichbare Verwaltungsfunktionen auf Arista-EOS-Systemen derzeit besonders sorgfältig abgesichert werden sollten.

Neu hinzu kommt die Frage, ob OpenConfig über gRPC mit AAA-basierter Autorisierung genutzt wird. Falls ja, sollten die zugrunde liegenden AAA-Method-Lists, Privilegienstufen und die Erreichbarkeit dieser Management-Schnittstelle kurzfristig überprüft werden, weil CVE-2026-73461 auf eine kritische Fehlzuordnung bei der Autorisierung authentifizierter gRPC-Anfragen hindeutet.

Quellenangabe

Weiterführende Informationen: NVD-Eintrag zu CVE-2026-73453

NVD-Eintrag zu CVE-2026-73447

NVD-Eintrag zu CVE-2026-73461